Konkrete Aktion in Entscheidungstabelle referenzieren

Entscheidungstabellen sind so vielseitig, dass sie in allen Disziplinen der Software-Entwicklung Verwendung finden. Zum Beispiel sind sie als formelles Werkzeug nützlich, wenn die Qualität von komplexen Bedingungen in natürlichsprachlichen Anforderungen auf Vollständigkeit geprüft werden soll. Sie eignen sich aber auch,  um den optimalen Durchlauf für ein Testszenario daraus abzuleiten. Die relativ einfache Methodik zum Erstellen der Tabellen bildet komplexes logisches Verhalten in sich ab und erschließt sich schnell auch fachfremden Personen.
Prinzipiell gibt es in Entscheidungstabellen zwei Hauptbereiche: oben finden sich die Bedingungen samt ihren Kombinationen und unten die dann bei den jeweils definierten Bedingungskombinationen auszuführenden Aktionen. Jede Bedingung steht mit jeder anderen Bedingung in einem logischen Zusammenhang. Bei den meist booleschen Bedinungen ergeben sich somit 2 hoch n Bedingungskombinationen (bzw. zu durchlaufende Pfade als Baumstruktur) und daher letztlich ebenso viele Spalten. Vor allem wegen dieses exponentiellen Wachstums können Entscheidungstabellen sehr schnell unangenehm unübersichtlich werden.

Denken wir uns folgendes Szenario: Man müsste auf eine konkrete Aktion referenzieren können, die nur bei einer bestimmten Bedingungskonstellation eintritt – aus Sicht eines Testers ein Alltagsszenario, da wie bereits erwähnt logisch komplexe Anforderungen mit Entscheidungstabellen ausgezeichnet dargestellt werden können. Da der Tester somit sehr wahrscheinlich zu jedem Aktionszeiger dieser Entscheidungstabelle, der auf ein „X“ verweist, einen Testfall ableiten wird, muss diese Ableitung verfolgbar sein – ein bidirektionaler Trace zwischen der konkreten Aktion und dem Testfall muss her. Doch wie?

Die Lösung ist so simpel wie charmant: man flankiert das Aktionsfeld mit einem Koordinatensystem. Jede Spalte (X-Achse) wird genau wie jede Aktion (Y-Achse) mit einer natürlichen Zahl indiziert. Die Referenz auf die genaue Position entsteht aus der Kombination beider Achsenwerte, denen wir als Präfix zur strikten Trennung der Werte die jeweilige Achse mitgeben, also z.B. X6Y2 für die Bedingungskombination der Spalte 6 und der zugehörigen Aktion 2. Vor diese Position - die ja für nichts anderes steht als für eine konkrete Aktion, die unter bestimmten Bedingungen eintreten soll - platziert man noch eine eindeutige numerische ID - im Beispiel die 3 - und schon hat man einen klaren Referenzwert erzeugt.

Von: Alexander Lindner

erstellt.

3 Antworten to “Konkrete Aktion in Entscheidungstabelle referenzieren”

  1. Gravatar: Oliver Fischer Oliver Fischer sagt:

    Die Idee ist sehr gut und dabei so einfach, daß man selber darauf kommen müßte... Wie leicht läßt man sich davon beeindrucken, daß die linke Seite und der Tabellenkopf schon in Benutzung sind.... :-)

  2. Gravatar: Oliver Fischer Oliver Fischer sagt:

    Heute konnte ich diese Idee zum ersten Mal anwenden. Es war zwar keine Entscheidungstabelle sondern ein Vergleich von Nachrichtentypen aus dem Energiebereich, aber am Prinzip ändert das ja nichts.

    Auf jeden Fall war es auf einmal wunderbar sich einfach im Text auf bestimmte Konstellationen zu beziehen.

  3. Gravatar: Helmut Koog Helmut Koog sagt:

    Guten Tag.

    Sie sind der erste Treffer, den ich im Internet gefunden habe, der für Entscheidungstabellen eine brauchbare Lösung gesucht und wohl auch gefunden hat. Noch arbeitet die EDV-Welt auf dem Wissensstand von 1970 mit den damit verbundenen Grenzen.

    Ich gratuliere!

    Seit März 1972 arbeite ich mit ETAB´s, aber anders. Ich möchte Ihnen das zeigen, kann auch ein Musterprogramm schicken.

    Falls Sie Interesse haben, schicken Sie mir bitte eine kurze Antwort auf meine obige E-mai-Adresse.

    Freundliche Güße

    Helmut Koog